Misteltherapie

Die Misteltherapie ist eine aus der anthroposophischen Medizin stammende Therapie. Bekannt ist die Therapie vor allem unter dem Namen Iscador, dem Medikament der gleichnamigen Firma. Iscador und die anderen Mistelpräparate werden seit mehreren Jahrzehnten erfolgreich in der Krebstherapie eingesetzt.

Kurze botanische Vorbemerkungen

Die Mistel (Viscum album) ist eine Pflanze, die sich auf Bäumen einnistet und als Schmarotzer von deren Nahrungssäften lebt. Durch Vögel, welche die Beeren der Mistel fressen und ihren Kot samt Mistelsamen auf Bäumen hinterlassen, vermehrt sich die Mistel. Ihre “Wurzeln”, die sogenannten Senker, wachsen in den Baum hinein und verschaffen sich dadurch Zugang zu den Gefässbündeln in der Kambiumschicht. Das Wachstum erfolgt langsam. Die Mistelpflanze kommt langsam zu ihrer typischen kugeligen Gestalt und blüht erstmals nach 5 – 7 Jahren, und zwar in der kalten Jahreszeit – im Gegensatz zu den meisten anderen Pflanzen.

 

Die Krebserkrankung

In unserem Körper entstehen täglich tausende von neuen Zellen, die sich je nach ihrem Bildungsort verschieden entwickeln (differenzieren): In der Haut zu Hautzellen und in der Leber zu neuen Leberzellen usw. In den meisten Fällen geht dieser Vorgang korrekt vor sich, so dass sich die Zellen gesund und normal entwickeln. Dennoch entstehen immer wieder Zellen, die sich krankhaft entwickeln und so Ausgangspunkt für einen bösartigen Tumor (Karzinom) sein können. Normalerweise werden diese krankhaften Zellen durch die körpereigenen Abwehrsysteme (Immunsystem) entfernt und vernichtet. Durch eine Vielzahl von äusseren, exogenen Faktoren (u.a. Alkohol, Nikotin, Umweltgifte, Schadstoffe in Nahrungsmitteln, Viren und ionisierende Strahlungen) und inneren, endogenen Faktoren (u.a. immunologische, genetische Ursachen) kann die Entstehung von Tumoren begünstigt werden.

 

Therapie der Krebserkrankung

Die Misteltherapie versteht sich als Möglichkeit, die Behandlung einer Krebskrankheit zu erweitern. Die bekannten Therapieformen, allen voran die Operation sowie die Chemo- und die Radiotherapie, werden dadurch nicht überflüssig. Durch eine begleitende Misteltherapie können auch die Nebenwirkungen der Chemo- und Radiotherapie etwas gemildert werden, was in verschiedenen Studien nachgewiesen werden konnte.

 

Es gibt sogar durchaus ernstzunehmende Hinweise darauf, dass eine Therapie der Tumorerkrankung mit Mistelpräparaten vor der Chirurgie Vorteile aufweist. Fest steht, dass sie keinen Schaden anrichtet.

 

Die Mistel übt nicht nur direkt verschiedene Effekte auf die Tumorerkrankung aus, sondern unterstützt die Heilung zusätzlich durch ihren Einfluss auf das Immunsystem. Bei verschiedenen Tumoren konnte gezeigt werden, dass die Überlebenschance von Krebskranken mit Misteltherapie durch eine Misteltherapie erhöht wird.

 

Die Mistel weist darüber hinaus auch gute stimmungsaufhellende (antidepressive) Eigenschaften auf. In diversen Arbeiten konnte gezeigt werden, dass Patienten mit einer begleitenden Misteltherapie eine deutlich bessere Stimmung aufweisen als solche ohne. Die oft vorhandene Müdigkeit wird durch eine Misteltherapie erfolgreich angegangen. Weiter konnte gezeigt werden, dass Patienten dank einer Mistelbehandlung selbstbestimmter leben und die Krankheit besser verarbeiten.

 

Die Mistelpräparate

Es existieren mehrere Mistelpräparate von verschiedenen Herstellern. Allen gemeinsam ist, dass sowohl der Presssaft der Sommerernte als auch derjenige der Winterernte verwendet wird. Der Presssaft der Sommerernte weist einen hohen Gehalt an Viscotoxinen auf, die einen direkt zytotoxischen, also zellzerstörenden Effekt auf die Tumorzellen ausüben. Der Presssaft der Winterernte ist reich an Mistellektinen, die ebenfalls zytotoxisch wirken, zusätzlich aber auch immunmodulatorische Effekte ausüben und B- sowie T-Lymphozyten stimulieren. Die weitere Verarbeitung der Präparate unterscheidet sich ein wenig von Hersteller zu Hersteller. In der Schweiz werden vor allem das Präparat der Firma Iscador AG (Iscador®) und das Präparat der Firma Helixor® verwendet, da beide von den Krankenkassen übernommen werden.

Durchführung einer Misteltherapie

Es gibt zwei verschiedene Mistelanwendungen, die sich durch die gewählten Dosierungen und die dadurch hervorgerufenen Wirkungen voneinander unterscheiden.

Die Präparate werden mittels einer Spritze angewandt; die Handhabung derselben ist für die Patienten oder Angehörigen allerdings leicht zu erlernen, zumal sie durch unsere medizinischen Praxisassistentinnen instruiert werden.

Neben der eigentlichen Misteltherapie – beispielsweise mit Iscador® – gibt es noch verschiedene andere unterstützende Therapien, darunter medikamentöse ebenso wie nicht-medikamentöse. Die medikamentösen Zusatztherapien unterscheiden sich je nach Tumorart, gesundheitlichem Zustand und Alter des Patienten.

 

Dauer einer Misteltherapie

Im Gegensatz zur Chemotherapie oder zur Radiotherapie ist die Misteltherapie keine kurz dauernde Therapieform. Die Misteltherapie greift tief in das Körpergefüge ein und verändert so die Reaktionsweise des Körpers auf Tumorzellen.

 

Spezielle Therapieformen

Die Mistelpräparate können auch intravenös als Infusionen verabreicht werden. Dies führt zu einer deutlich stärkeren Wirkung, wobei auch die Nebenwirkungen ausgeprägter sind: Es kommt oft zu Schüttelfrost und Fieber. Diese Form der Therapie braucht eine ärztliche Überwachung. Auch wir führen diese Therapie gelegentlich durch.

 

Die Mistel bei anderen Krankheiten

Die Mistelpräparate werden nicht nur bei Krebserkrankungen eingesetzt. Sie werden ebenfalls bei rheumatischen Erkrankungen, Depressionen sowie Bluthochdruck verwendet – dann jedoch in anderer Aufbereitung und in weniger hohen Konzentrationen.